Malchow (ddp)
Wenn Alexander Kilb über seine Zukunft nachdenkt, kann er sie sich kaum in MV vorstellen. „Köln wäre gut“, sagt der 19-Jährige, der vor drei Jahren als Spätaussiedler aus Wolgograd kam. bis 2006 allerdings dauert seine gerade begonnene Ausbildung zum Tischler an der Beruflichen Schule zu Integration schulpflichtiger Jugendlicher in Malchow (Landkreis Müritz).
Etwa 200 Spätaussiedler unter anderem aus Russland und Kasachstan lernen gemeinsam mit rund 60 einheimischen Jugendlichen. Seit der Gründung 1993 durchliefen mehr als 800 zugezogene Absolventen die Malchower Bildungsstätte. Sie gilt deutschlandweit als einmalig. Tischler, Verkäufer, Bürokaufleute und Kinderpflegerinnen werden in Malchow ausgebildet. Viele der 16- bis 27-jährigen Schüler aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion zieht es im Anschluss allerdings in den Westen. Nur ein Viertel bleibe in MV, sagt Schulleiter Uwe Gutzat. „Die Familie spielt eine sehr große Rolle“, nennt der Schulleiter einen. Verwandte in den alten Bundesländern helfen oft weiter. Ebenso locken gut bezahlte Jobs.
Die Vermittlungsaussichten für die jungen Spätaussiedler sind laut Gutzat jedenfalls gut. So seien die Verkäuferinnen des jüngsten Jahrgangs zu 100 Prozent vermittelt worden – nur eben in die alten Bundesländer. ähnlich sehe es bei den Tischler aus.
Dem Wettstreit mit einheimischen Mitbewerbern stellen sich die Spätaussiedler ganz bewusst. So wie zum Beispiel Maria Bahnmann aus Kasachstan, die in Malchow zur Kinderpflegerin ausgebildet wird. „Da bin ich schon besonders ehrgeizig“, sagt die 18-Jährige. Ihr größter Wunsch es ist, möglichst in der Region um Wismar einen Job zu finden. Tischlerlehrling Alexander will ebenfalls besser sein, als seine Altersgefährten aus Deutschland. Er weiß, dass es in dem von ihm favorisierten Ruhrgebiet zwar mehr Arbeitsmöglichkeiten, aber eben auch mehr Konkurrenz gibt.