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  Fotorätsel.

Mädchen mußten mit Möbeln und Naturalien zur Schule

Gebäude beherbergt Bildungsstätte seit mehr als 80 Jahren in Malchow.

Fotorätsel
Müritzkreis. Das MZ-Fotorätsel war gestern nicht so leicht zu knacken. Hildegard Will aus Röbel war der felsenfesten Überzeugung, dass es sich bei dem abgebildeten Gebäude um das Guthaus in Groß Kelle handelt. Edeltraud Reggentin aus Möllenhagen glaubte die Penzliner Burg erkannt zu haben. Horst Kahl aus Sophienhof hatte sich ebenfalls geirrt. „Das kann nur die Heilstätte Amsee in Waren sein“, sagte er am Telefon. Der Ex-Warener Heinrich Kunitz aus Rostock hatte ebenfalls nicht die richtige Lösung parat. „Ich habe schon viele Fotorätsel gelöst. Dieses ist die härteste Nuß“, sagte er. „Ich bin gespannt, um was für ein Gebäude es sich handelt.“
     Alle anderen Anrufer haben die ehemalige Wirtschaftliche Frauenschule auf dem Lande in Malchow richtig erkannt. Sie wurde von dem Charlottenburger Architekten Roensch entworfen und 1916 nach nur zehnmonatiger Bauzeit fertiggestellt. Sie war dei erste Schule ihrer Art in Mecklenburg.

Lazarett eingerichtet. Das Fotorätsel rief bei zahlreichen Anrufern Erinnerungen wach. Norbert Schröder aus Malchow berichtete, dass nach 1945 in der Frauenschule ein russisches Lazarett eingerichtet wurde. Ab 1947 war in dem Gebäude eine Hauswirtschaftsschule, und in den 50er Jahren studierten dort Landwirte. „Ich habe als Tischler öfter in dem Haus Reparaturarbeiten ausgeführt“, sagte er. Ute Lüth aus Groß Gievitz hat an der Agraringenierurschule Finanzwirtschaft studiert. „In meiner Seminargruppe waren Gerd zu Jeddeloh, heute Bürgermeister in Neubrandenburg, und die jetzige Röbeler Bürgermeisterin Eveline Schön“, teilte sie unsmit. Hanna Kobabe aus Malchow hat nach der Auflösung des russischen Lazaretts mit 16 weiteren Schülerinnen die Landfrauenschule 1947/48 eingerichtet. Dort wurde sie auch in der Hauswirtschaft ausgebildet. Hanna Pähr aus Waren besuchte 1948/49 die Bildungsstätte. „Es war eine schlimme Zeit. Wir mußten Möbel und unser Bett mitbringen, auch Naturalien wie Mehl, Zucker usw., damit wir an der Schule versorgt werden konnten“, erinnert sie sich.

Fotorätsel
Razzia nicht vergessen. Eine Begebenheit wird Hanna Pähr nie vergessen. Während eines Theaterbesuches in der „Werleburg“ machten 1948 die russischen Soldaten eine Razzia. Da die Mädchen sich nicht ausweisen konnten, wurden sie zum Revier mitgeschleppt. Nach vielen Diskussionen gelang es einem Lehrer der Schule, die verängstigten Mädchen freizubekommen. „Die Schulmädchen waren an der Kleidung zu erkennen“, berichtete Ricarda Bruhn. „Sie trugen hellblaue Kleider und darüber weiße Schürzen.“ Auch Joachim Reeps aus Malchow kennt die Frauenschule noch sehr gut. Sein Vater besaß ein Fleischerei-Geschäft, und in den Ferien mußte er mit dem Fahrrad immer Fleisch zur Schule liefern. „Meine Schulfreundin, die Gutsbesitzertochter Gisa von Barsewisch, war an dieser Schule als Maid tätig. Sie wurde ausgebildet, um auf dem Gut alle Arbeiten in gehobenen Positionen ausüben zu können“, erzählte er. Viele Malchower Mädchen hätten nach seinen Erinnerungen an deiser Schule das Kochen gelernt. Seit dem 6. September 1993 werden in den Gemäuern schulpflichtige deutschstämmige Spätaussiedler ausgebildet.

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